Frederick - 2
- Drei Jahre später -
“Und? Was gibt’s?” - “Ich glaube, du weißt was es gibt.” Sagt er. Es entstand eine kurze Pause, in der sie ihre mit kleinen Sommersprossen übersähte Stirn runzelte und ihren Schmollmund missmutig zusammendrückte. Die übersteuerten Bässe wummerten gedämpft durch die Wände des freistehenden Hauses und irgendwo zerbrach ein Glas mit lautem klirren woraufhin lautes Gelächter folgte. In der Dunkelheit des weitläufigen Gartens bemerkt er, dass sich ihre kleinen, zierlichen Hände, die sie so lässig in die durchgehende Bauchtasche ihres Hoodies gesteckt hatte, unablässig bewegten.
“Was ist, wenn ich es nicht weiß?” Sie lachte. Aber es war ein erzwungenes Lachen, bemerkte er. Wenn sie richtig lachte, klang sie wie ein kleines Schweinchen, was ihr peinlich war sobald sie wieder damit aufhören konnte. Die Botschaft jedenfalls war klar. Also ich sag nichts. lautete die nämlich.
“Wir müssen reden.” innerlich massierte er sich sofort seine Schläfen mit Mittel- und Zeigefinger. Ich habe das gerade nicht wirklich so gesagt oder? Dachte er.
- “Wir reden doch, oder?” Wieder dieses lachen. - “Du lachst nicht so.” Stellte er fest.
Sofort hörte das Lachen auf. Betreten schaute sie zur Seite.
Zwischen ihnen war Schweigen vorher nie problematisch gewesen. Es war eines der Gründe, weswegen sie so gut miteinander auskamen. Aber zum ersten mal schwiegen sie, obwohl sie sich etwas zu sagen hatten.
“Wir hätten uns vorhin fast geküsst oder?”. fragte sie plötzlich. - “Ja, vielleicht.”
“Warum?” fragte sie. Sie fragte immer “warum”. Jule hatte immer etwas von einer vierjährigen an sich, wenn sie diese Frage stellte. Diese Kinder, die unablässig “waaruuuuumm?” fragen, egal wie genau und in welcher Tiefe man ihnen einen Sachverhalt zuvor auch zu erklären wusste.
Eines der vielen Dinge, die Jule so niedlich machte.
“Vielleicht hielten wir es für eine gute Idee.” schlug er vor. - “Isses aber nicht.”
Sie schaute ihn wieder an und die Farbe ihrer offenen, roten Haare war plötzlich trotz des Mondlichtes zu erkennen.
Sie weinte.
“Schreib mal. Okay du arsch?”
“Mach ich.” Sagte er hilflos.
Wie flüchtige Bekannte umarmten sie sich, und Frederick Wuhler ging wieder zurück auf die Abschiedsparty, die für ihn gegeben wurde.